Altes Haus

Energieausweis für ein Fachwerkhaus in Hannover

Energieausweis für ein Fachwerkhaus in Hannover | energiepass HANNOVER, Telefon 0152 060 777 67
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Ein Energieausweis für ein Fachwerkhaus in Hannover ist bei Verkauf und Vermietung Pflicht, denn Fachwerk ist eine Bauweise, keine Ausnahme. Bis 31.12.2026 ist es fast immer der Bedarfsausweis: nicht wegen des Holzes, sondern wegen Alter und Größe, bis zu vier Wohnungen und Bauantrag vor dem 1. November 1977. Befreien kann bis dahin allenfalls der Denkmalstatus.

Der häufigste Satz, den ich am Telefon höre: „Das ist doch Fachwerk, da bin ich befreit.“

Sind Sie nicht. Jedenfalls nicht wegen der Balken.

Fachwerk beschreibt, wie ein Haus gebaut ist. Ob es ein Baudenkmal ist, entscheidet der Denkmalschutz, nicht die Fassade.

Zwei verschiedene Fragen. Wer sie verwechselt, verliert im Verkauf genau das, was er am wenigsten hat: Zeit.

Ich bin Immobilienexperte und DIBt-registrierter Aussteller und erstelle seit 2018 Energieausweise für alte Häuser in Hannover und im Umkreis von 50 Kilometern. Jeder Ausweis trägt eine gültige Registriernummer des Deutschen Instituts für Bautechnik.

Was Sie hier erfahren:

  1. ob Ihr Fachwerkhaus überhaupt einen Energieausweis braucht,
  2. warum es bis Ende 2026 fast immer der Bedarfsausweis ist und was er kostet,
  3. wann Denkmalschutz befreit und warum das am 1. Januar 2027 endet,
  4. welche U-Werte für eine Fachwerkwand gerechnet werden,
  5. was Sichtfachwerk und Innendämmung für Ihr Ergebnis bedeuten,
  6. wo in und um Hannover noch Fachwerk steht,
  7. was sich mit dem neuen Ausweisrecht 2027 ändert,
  8. meine Praxis-Tipps und die Fehler, die im Verkauf am meisten kosten.

Braucht ein Fachwerkhaus überhaupt einen Energieausweis?

Ja, sobald Sie verkaufen, vermieten oder verpachten. Den Ausweis legen Sie Interessenten spätestens bei der Besichtigung vor und übergeben ihn nach Vertragsschluss. Die Bauweise spielt keine Rolle, eine Fachwerk-Ausnahme gibt es nicht. Wer ohne gültigen Ausweis verkauft oder vermietet, riskiert nach § 108 GModG ein Bußgeld bis 10.000 Euro.

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) kennt keine Kategorie „Fachwerkhaus“. Es kennt Wohngebäude und Nichtwohngebäude.

Das ist die ganze Sortierung.

Die echten Ausnahmen hängen an anderen Merkmalen. Kleine Gebäude mit höchstens 50 Quadratmetern Nutzfläche gehören dazu, bis 31.12.2026 auch Baudenkmäler, dazu Sonderfälle nach § 2 Abs. 2 GModG wie Ställe oder Gebäude, die weniger als vier Monate im Jahr genutzt werden. Mit Eichenbalken und Lehmgefach hat keine davon zu tun.

Und wenn Sie gar nicht verkaufen wollen?

Wer selbst im Fachwerkhaus wohnt und nichts vorhat, braucht heute keinen Ausweis. Die Pflicht kommt mit dem Anlass, nicht mit dem Kalender.

Ein Punkt wird gern übersehen: die Anzeige. Erscheint Ihr Haus in einem kommerziellen Medium, etwa auf einem Immobilienportal oder in der Zeitung, gehören nach § 87 GModG die Pflichtangaben hinein, sobald der Ausweis vorliegt. Bis 31.12.2026 sind das Ausweisart, Endenergiewert, wesentlicher Energieträger, Baujahr und Effizienzklasse. Ab dem 1. Januar 2027 kommen Ausstellungsdatum und Primärenergiewert dazu.

In der Praxis ist nicht das Bußgeld das häufigste Risiko. Es ist die Abmahnung einer Anzeige, in der die Angaben fehlen.

Warum ist bei Fachwerk bis Ende 2026 fast immer der Bedarfsausweis Pflicht?

Weil § 80 Abs. 3 GModG in der bis 31.12.2026 geltenden Fassung den Bedarfsausweis für Wohngebäude mit bis zu vier Wohnungen vorschreibt, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und die den Wärmeschutz der Wärmeschutzverordnung 1977 nicht erreichen. Nicht das Holz entscheidet, sondern Alter und Größe. Bei Fachwerk trifft beides fast immer zu.

Der Unterschied klingt spitzfindig. Ist er nicht.

Ein Fachwerkhaus mit acht Wohnungen hätte die Wahl. Ein ungedämmter Klinkerbau von 1965 mit zwei Wohnungen hat sie nicht. Die Regel schaut auf Baujahr und Wohnungszahl, nie auf die Fassade.

Nur sind Fachwerkhäuser eben fast durchweg älter als 1977 und haben selten mehr als vier Wohneinheiten. Damit steht die Ausweisart fest, bevor man überhaupt nachdenkt.

Die Wärmeschutzverordnung 1977 war die erste Vorschrift, die einen Mindestwärmeschutz für Gebäude verlangte. Ein Fachwerkhaus, das dieses Niveau erreicht, ist die seltene Ausnahme.

Bedingung nach § 80 Abs. 3 GModG (bis 31.12.2026)Typisches Fachwerkhaus
Wohngebäudetrifft zu
bis zu vier Wohnungentrifft meist zu
Bauantrag vor dem 1.11.1977trifft fast immer zu
Wärmeschutz unter dem Niveau der WSchV 1977trifft meist zu

Viele Fachwerkhäuser sind älter als jede Bauordnung. Einen Bauantrag hat es für sie nie gegeben. Das Baujahr liegt trotzdem eindeutig vor 1977, und genau darauf kommt es an.

Und selbst dort, wo die Wahl offen wäre, etwa bei einem großen Fachwerk-Dreiseithof mit fünf Wohnungen, empfehle ich den Bedarfsausweis mit Nachdruck.

Warum?

Stellen Sie sich ein Fachwerkhaus vor, das zwei Winter leer stand, weil sich die Erben nicht einigen konnten. Ein Verbrauchsausweis müsste mit Leerstandskorrekturen arbeiten und zeigt am Ende trotzdem, wie geheizt wurde. Nicht, wie das Haus gebaut ist.

Der Bedarfsausweis rechnet die Substanz: Wände, Dach, Fenster, Heizung. Unabhängig davon, wer zuletzt wie gewohnt hat. Die Details zum Stichtag habe ich im Beitrag Energieausweis für Häuser vor 1977 beschrieben.

Bei mir gibt es für Wohngebäude ausschließlich den Bedarfsausweis, und zwar zum Festpreis:

FachwerkhausAusweisFestpreis
EinfamilienhausBedarfsausweis299 Euro
Zwei- und MehrfamilienhausBedarfsausweis399 Euro

Im Preis stecken die DIBt-Registriernummer und die Best-Case-Optimierung. Das heißt: Ich frage jede Modernisierung ab, die Ihr Haus besser dastehen lässt, bevor gerechnet wird, statt mit ungünstigen Pauschalwerten zu arbeiten.

Ihr Fachwerkhaus braucht einen Bedarfsausweis? Ich erstelle ihn persönlich, zum Festpreis, mit Best-Case-Optimierung und DIBt-Registriernummer. Die Daten geben Sie telefonisch oder per Foto durch, der Ausweis liegt 24 Stunden nach vollständigen Angaben in Ihrer Inbox. Jetzt Festpreis für Ihr Fachwerkhaus berechnen Lieber erst sprechen? 0152 060 777 67, auch per WhatsApp.

Befreit Denkmalschutz ein Fachwerkhaus vom Energieausweis?

Bis 31.12.2026 ja, wenn das Haus ein Baudenkmal ist: § 79 Abs. 4 GModG nimmt Baudenkmäler von den Ausweispflichten bei Verkauf und Vermietung aus. Ab dem 1. Januar 2027 entfällt diese Ausnahme ersatzlos. Fachwerk allein macht kein Denkmal, und erhaltenswerte Bausubstanz ist noch kein Baudenkmal.

Hier liegt der Kern des Missverständnisses.

Viele Fachwerkhäuser sind Baudenkmäler. Viele nicht. Und es gibt Denkmäler ohne einen einzigen sichtbaren Balken.

Die Ausnahme hängt am Denkmalstatus selbst. In Niedersachsen führt das Landesamt für Denkmalpflege das Verzeichnis der Kulturdenkmale.

Für den Verkauf empfehle ich trotzdem eine schriftliche Bestätigung der unteren Denkmalschutzbehörde. In Hannover ist das die Landeshauptstadt, im Umland je nach Zuständigkeit die Stadt, die Region Hannover oder der Landkreis. Käufer und Makler wollen den Status schwarz auf weiß sehen, nicht als Erinnerung des Verkäufers.

Was viele zusätzlich meinen, ist § 105 GModG. Der erlaubt bei Baudenkmälern und sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz Abweichungen von energetischen Anforderungen, etwa wenn eine Dämmung die Substanz beschädigen würde. Mit der Ausweispflicht hat er nichts zu tun.

Und dann kommt der 1. Januar 2027.

Ab diesem Tag nennt § 79 Abs. 4 GModG nur noch kleine Gebäude mit weniger als 50 Quadratmetern Nutzfläche und Verteidigungsgebäude des Bundes. Baudenkmäler stehen nicht mehr drin. Wer 2027 ein Fachwerkdenkmal verkauft, vermietet oder einen Mietvertrag verlängert, braucht einen Energieausweis.

Wer weiß, dass der Verkauf kommt, kann ihn schon 2026 freiwillig erstellen lassen. Er bleibt zehn Jahre gültig, solange keine größere Änderung nach § 80 Abs. 2 GModG einen neuen verlangt. Wie das im Detail funktioniert, habe ich im Beitrag Energieausweis bei Denkmalschutz in Hannover auseinandergenommen.

Welche U-Werte hat eine Fachwerkwand wirklich?

Die vom Bund bekannt gemachten Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand setzen für Fachwerk mit Lehmausfachung etwa 1,5 W/(m²K) an, für Ziegelausmauerung bis 25 Zentimeter rund 1,7 W/(m²K). Bruchsteinmauerwerk liegt je nach Dicke zwischen 1,3 und 2,1. Das Referenzgebäude des GModG rechnet für die Außenwand mit 0,28, gut gedämmte Neubauten erreichen etwa 0,2 W/(m²K).

Kurz zur Erklärung: Der U-Wert sagt, wie viel Wärme pro Quadratmeter und pro Grad Temperaturunterschied durch ein Bauteil entweicht. Kleiner ist besser.

Das klingt vernichtend. Rechnerisch ist es das auch.

Eine Fachwerkwand verliert pro Quadratmeter grob das Siebenfache dessen, was eine gut gedämmte Neubauwand verliert.

WandaufbauU-Wert W/(m²K)
Fachwerk mit Lehmausfachungrund 1,5
Fachwerk mit Ziegelausmauerung bis 25 cmrund 1,7
Bruchsteinmauerwerk, je nach Dicke1,3 bis 2,1
Außenwand Referenzgebäude nach Anlage 1 GModG0,28
gut gedämmte Außenwand Neubaurund 0,2

Interessant wird es einen Schritt tiefer.

Eine Fachwerkwand ist kein einheitliches Bauteil. Sie ist ein Raster aus Holz und Gefach mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit. Das Holz dämmt besser als die Ausmauerung, die Lehmgefache besser als Ziegel.

Deshalb wird die Wand flächengewichtet gerechnet, mit einem Holzanteil, der üblicherweise zwischen 15 und 30 Prozent liegt. In der Praxis sehe ich bei reich verziertem Zierfachwerk eher das obere Ende dieser Spanne.

Die Pauschalwerte sind ein Sicherheitsnetz für fehlende Angaben. Kein Urteil über Ihr Haus.

Je mehr ich über die echte Wand weiß, desto seltener muss ich auf das Netz zurückgreifen. Wie Sie mir das Wissen liefern, ohne dass jemand bei Ihnen klingelt, steht weiter unten bei den Praxis-Tipps.

Was bedeuten Sichtfachwerk und Innendämmung für Ihren Ausweis?

Sichtfachwerk lässt sich nicht von außen dämmen, ohne genau das zu verdecken, was das Haus ausmacht. Bleibt die Innendämmung, und die ist bei Fachwerk kein Standardprodukt. Schlagregen von außen und Kondensat an der Grenzschicht innen treffen sich im Gefach, und das übliche Nachweisverfahren nach DIN 4108-3 bildet diese Situation nicht zuverlässig ab.

Von außen dämmen? Bei Sichtfachwerk in aller Regel nicht, weil die sichtbare Konstruktion dann verschwindet. Bei Baudenkmälern steht der Denkmalschutz ohnehin dagegen.

Fachlich empfohlen werden kapillaraktive Systeme, die Feuchte aufnehmen und wieder abgeben können, statt sie hinter einer Dampfsperre einzusperren. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat dazu ausführlich publiziert.

Für den Energieausweis heißt das zweierlei.

Erstens rechnet sich eine vorhandene Innendämmung selbstverständlich positiv.

Zweitens steigt der pauschale Wärmebrückenzuschlag von 0,10 auf 0,15 W/(m²K), wenn überwiegend innen gedämmt wurde und kein detaillierter Nachweis vorliegt. Das Holzgerüst unterbricht die Dämmebene nun einmal an jedem Balken.

Wer über eine Innendämmung nachdenkt, sollte das nicht anhand des Energieausweises entscheiden. Dafür gibt es den individuellen Sanierungsfahrplan, siehe Energieausweis oder iSFP.

Und weil die Frage oft fällt: Der Energieausweis verpflichtet Sie zu keiner Sanierung. Für Wohngebäude gibt es keine Sanierungspflicht wegen einer schlechten Klasse, auch nicht für F, G oder H.

Davon zu trennen sind Nachrüstpflichten nach einem Eigentümerwechsel, etwa für die oberste Geschossdecke. Die hängen am Kauf, nicht am Ausweis.

Wo steht in und um Hannover noch Fachwerk?

In der Stadt Hannover selbst kaum noch. Der Fachwerkbestand der Altstadt ging im Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren, die Reste wurden ab 1953 rund um Kramerstraße, Kreuzkirche und Ballhofplatz zur Altstadt-Insel zusammengezogen, teilweise durch versetzte Häuser aus anderen Stadtteilen. Der eigentliche Bestand liegt im Umland.

Genau deshalb ist Fachwerk für mich ein Umlandthema.

Meine Fachwerk-Aufträge kommen aus Hameln, Celle, Hildesheim, Springe, Burgdorf, Pattensen, Neustadt am Rübenberge, Wennigsen und aus den Dorfkernen der Region Hannover.

Celle ist für seine geschlossene Fachwerk-Altstadt bekannt, Hameln für seine Weserrenaissance-Altstadt, und die Deutsche Fachwerkstraße führt mit mehreren Abschnitten durch Niedersachsen.

Für Sie ist das mehr als Landeskunde.

In den Dorfkernen stehen die Häuser oft in einer geschlossenen Zeile. Jede Wand, die an ein Nachbarhaus grenzt, verliert kaum Wärme nach außen. Ein Fachwerkhaus in der Zeile ist rechnerisch ein anderes Haus als ein freistehendes.

Dazu kommt: Viele dieser Häuser haben irgendwann zwischen 1980 und 2000 neue Fenster und ein gedämmtes Dach bekommen. Beides verbessert das Ergebnis spürbar, wenn man es sauber erfasst.

Wer ein Fachwerkhaus in der Region verkaufen will, findet die Fristen und Vorlagepflichten im Beitrag Energieausweis beim Hausverkauf in Hannover.

Was ändert sich am 1. Januar 2027 für Fachwerkhäuser?

Am 1. Januar 2027 tritt das neue Energieausweisrecht aus Artikel 2 der GModG-Novelle vom 23. Juli 2026 in Kraft, verkündet am 28. Juli 2026. Die 1977er-Regel entfällt, Bestandswohngebäude haben dann die Wahl zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis. Die Denkmal-Ausnahme fällt weg. Wohngebäude behalten die Klassen A+ bis H, die neue Skala A bis G gilt nur für Nichtwohngebäude.

Für Fachwerkhäuser ist das eine echte Verschiebung. Was heute Pflicht ist, wird zur Wahl. Und was heute befreit ist, wird zur Pflicht.

Themabis 31.12.2026ab 01.01.2027
Ausweisart bei bis zu vier Wohnungen, Bauantrag vor 1.11.1977Bedarfsausweis PflichtWahl zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis
Verbrauchsausweis36 Monate Verbrauchsdatennur für reine Wohngebäude, Verbrauch jährlich über zwei Jahre
Baudenkmalvon der Ausweispflicht ausgenommenAusweispflicht wie bei jedem Haus
AnlassVerkauf, Vermietung, Verpachtungzusätzlich Verlängerung von Miet- und Pachtverträgen
Klassen WohngebäudeA+ bis HA+ bis H
FormMuster nach Bekanntmachung vom Dezember 2023digital und maschinenlesbar, Papier nur auf Verlangen
Gültigkeit10 Jahre10 Jahre, Ausweise aus 2026 gelten weiter

Meine Empfehlung ändert sich dadurch nicht.

Wer ein Fachwerkhaus verkauft, verkauft ein Haus mit Erklärungsbedarf. Ein Verbrauchsausweis erklärt nichts. Der Bedarfsausweis liefert die Bewertung der Substanz und dazu konkrete Modernisierungsempfehlungen, mit denen ein Käufer rechnen kann.

Unter der Haube ändert sich zudem die Rechengrundlage: DIN/TS 18599:2025-10 ersetzt die bisherige Norm, und die Primärenergiefaktoren für Strom und Biomasse ändern sich. Die Klasse eines Wohngebäudes hängt weiter am Endenergiebedarf nach Anlage 10. Neue Primärenergiefaktoren verändern den Primärenergiewert im Ausweis, nicht die Klassengrenzen. Die neue Rechennorm kann einzelne Werte verschieben.

Die amtlichen Muster für die neuen digitalen Ausweise stehen noch aus. Was beschlossen ist und was noch offen bleibt, habe ich im Artikel GModG beschlossen: was sich beim Energieausweis für Hannover ändert aufgeschlüsselt.

Ein Ausweis, den Sie heute bestellen, bleibt seine vollen 10 Jahre gültig, solange Sie das Haus nicht so umbauen, dass nach § 80 Abs. 2 GModG ein neuer fällig wird. Sie verlieren durch das Warten also nichts. Sie gewinnen aber auch nichts.

Welche Praxis-Tipps holen aus dem Ausweis Ihres Fachwerkhauses das Beste heraus?

Aus meiner Erfahrung mit Fachwerkhäusern machen vier Dinge den Unterschied: Fotos, auf denen das Balkenraster erkennbar ist, die Angabe zur Innenschale, ein belegtes Baujahr und jede Modernisierung mit Jahreszahl. Alles kommt telefonisch oder per Foto zu mir. Niemand muss dafür in Ihr Haus.

1. Fotografieren Sie die Fassade so, dass das Balkenraster erkennbar ist. Nennen Sie mir dazu die Wandstärke, gemessen an einer Fensterlaibung. Aus beidem lässt sich der Holzanteil realistisch abschätzen, statt pauschal den ungünstigsten Wert anzusetzen. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Ausweis von der Stange und einem, der Ihr Haus abbildet.

2. Sagen Sie mir, wie die Wand innen aussieht. Ist das Gefach von innen verputzt, mit Gipskarton verkleidet oder mit einer Vorsatzschale versehen? Eine vorhandene Innenschale ist oft mehr wert als gedacht und geht sonst schlicht unter.

3. Suchen Sie die Jahreszahl. Viele Fachwerkhäuser tragen sie am Torbalken oder über der Haustür. Fotografieren Sie die Inschrift. Sonst helfen Kaufvertrag, Grundbuchauszug oder die Bauakte, in Hannover bei der Bauaktenstelle der Landeshauptstadt Hannover, im Umland bei der zuständigen Bauaufsicht von Stadt, Region Hannover oder Landkreis.

4. Schreiben Sie mir jede Modernisierung mit Jahr auf. Dach 1994 gedämmt? Fenster 1998 getauscht? Heizung erneuert? Am besten mit Rechnung oder Foto. Jede belegte Modernisierung fließt in die Berechnung ein, und genau hier wirkt die Best-Case-Optimierung.

Was ich sonst noch von Ihnen brauche:

  • Wohnfläche und Zahl der Wohnungen,
  • Fotos aller Fassadenseiten,
  • ein Foto vom Typenschild der Heizung,
  • Fotos der Fenster, gern mit Blick auf die Verglasung,
  • Angaben zu Dach, oberster Geschossdecke und Keller,
  • Grundrisse, falls vorhanden.

Und wenn Unterlagen fehlen? Das ist bei Fachwerk eher die Regel als die Ausnahme. Fehlende Pläne sind kein Grund abzubrechen. Wir klären am Telefon, welche Maße und Fotos stattdessen reichen.

Wo es hilft, mache ich mir zusätzlich ein Bild im Rahmen einer kostenlosen Sichtprüfung von außen, ohne Termin und ohne dass Sie zu Hause sein müssen.

Welche Fehler kosten bei Fachwerkhäusern am meisten?

Vier Fehler sehe ich immer wieder: der unzulässige Verbrauchsausweis, die Gleichsetzung von Fachwerk und Denkmal, Pauschalwerte statt echter Angaben und der Ausweis, an den erst kurz vor dem Notartermin jemand denkt. Der teuerste ist der erste, weil er im laufenden Verkauf alles anhält.

Fehler 1: der bestellte Verbrauchsausweis, der gar nicht zulässig war. Wer 2026 für ein Fachwerk-Einfamilienhaus von 1890 einen Verbrauchsausweis bestellt, hält kein gültiges Dokument in der Hand, sondern ein Papier, das die Pflicht nicht erfüllt. Rechtlich steht er da, als hätte er gar keinen. Der neue Ausweis muss dann mitten im Verkauf her, und Zeit ist beim Verkauf das Teuerste überhaupt.

Fehler 2: Fachwerk mit Denkmalschutz gleichsetzen. Die Ausnahme hängt am Denkmalstatus, nicht an der Optik. Umgekehrt gibt es geschützte Gebäude ohne einen einzigen sichtbaren Balken. Und ab 2027 hilft auch der echte Denkmalstatus nicht mehr weiter.

Fehler 3: alles auf pauschale Werte laufen lassen. Wenn niemand nachfragt, ob das Dach 1994 gedämmt wurde und die Fenster zweifach verglast sind, rechnet die Software mit ungünstigen Annahmen. Bei einem Fachwerkhaus, das ohnehin schwach dasteht, kann das den Unterschied zwischen zwei Effizienzklassen ausmachen. Genau dafür gibt es die Best-Case-Optimierung: Ich frage die Details ab, bevor gerechnet wird.

Fehler 4: erst beim Notartermin daran denken. Gesetzlich muss der Ausweis spätestens bei der Besichtigung vorliegen. Meine Empfehlung geht weiter: Bestellen Sie ihn, bevor die Anzeige online geht. Dann stehen die Pflichtangaben von Anfang an drin, und niemand muss bei der ersten Besichtigung erklären, warum er fehlt.

Was fragen Eigentümer von Fachwerkhäusern am häufigsten?

Fünf Fragen höre ich zu Fachwerkhäusern immer wieder. Hier sind sie mit kurzen, klaren Antworten.

Ist ein Fachwerkhaus vom Energieausweis befreit?

Nein, Fachwerk ist eine Bauweise und keine Ausnahme. Bis 31.12.2026 sind nach § 79 Abs. 4 GModG Baudenkmäler von der Ausweispflicht bei Verkauf und Vermietung ausgenommen, ab dem 1. Januar 2027 entfällt diese Ausnahme. Entscheidend ist der Denkmalstatus, nicht das sichtbare Holzgerüst. Eine schriftliche Bestätigung der Denkmalschutzbehörde empfehle ich als Beleg.

Welchen Energieausweis braucht ein Fachwerkhaus?

Bis 31.12.2026 fast immer den Bedarfsausweis. Nach § 80 Abs. 3 GModG ist er Pflicht bei Wohngebäuden mit bis zu vier Wohnungen, Bauantrag vor dem 1. November 1977 und ohne Wärmeschutz auf dem Niveau von 1977. Das liegt am Alter, nicht am Holz. Ab 2027 besteht Wahlfreiheit, ich empfehle weiter den Bedarfsausweis.

Welchen U-Wert hat eine Fachwerkwand?

Nach den amtlichen Regeln zur Datenaufnahme im Wohngebäudebestand etwa 1,5 W/(m²K) bei Lehmausfachung und rund 1,7 W/(m²K) bei Ziegelausmauerung bis 25 Zentimeter. Das Referenzgebäude des GModG rechnet für die Außenwand mit 0,28 W/(m²K), gut gedämmte Neubauten liegen bei etwa 0,2. Eine genaue Erfassung des Holzanteils macht den Wert realistischer.

Was kostet der Energieausweis für ein Fachwerkhaus?

Bei mir kostet der Bedarfsausweis für ein Einfamilienhaus aus Fachwerk 299 Euro, für ein Zwei- oder Mehrfamilienhaus 399 Euro, jeweils als Festpreis mit Best-Case-Optimierung und DIBt-Registriernummer. Die Daten kommen telefonisch oder per Foto, niemand muss zu Ihnen ins Haus. Der Ausweis liegt 24 Stunden nach vollständigen Angaben in Ihrer Inbox.

Ändert das GModG etwas für Fachwerkhäuser?

Ja, ab dem 1. Januar 2027. Dann entfällt die 1977er-Regel, Bestandswohngebäude können Bedarfs- oder Verbrauchsausweis bekommen. Die Denkmal-Ausnahme fällt weg, und auch die Verlängerung eines Mietvertrags wird Anlass für die Vorlage. Wohngebäude behalten die Klassen A+ bis H. Ausweise aus 2026 bleiben zehn Jahre gültig, sofern keine größere Änderung nach § 80 Abs. 2 GModG einen neuen verlangt.

Was sollten Sie jetzt tun?

Fachwerk ist eine Bauweise, kein Freifahrtschein. Bis Ende 2026 brauchen Sie bei Verkauf oder Vermietung in aller Regel den Bedarfsausweis, ab 2027 auch dann, wenn Ihr Haus ein Denkmal ist. Die U-Werte sehen schlecht aus, aber ein sauber erfasstes Fachwerkhaus steht deutlich besser da als eines, das mit Pauschalwerten gerechnet wurde.

Also: Fotografieren Sie heute die Fassade, suchen Sie die Jahreszahl am Balken, und holen Sie sich Ihren Preis.

Jetzt Festpreis für Ihr Fachwerkhaus berechnen: 299 Euro für das Einfamilienhaus, 399 Euro für Zwei- und Mehrfamilienhäuser, morgen in Ihrer Inbox, sobald Ihre Angaben vollständig sind. Ihr Ausweis kommt von energiepass® HANNOVER mit gültiger DIBt-Registriernummer, Fragen beantworte ich unter 0152 060 777 67. Mehr zum alten Bestand finden Sie in der Themenwelt Energieausweis für alte Häuser.

Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
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Lea Schmeyer FINGAS Immobilien
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