Wohngebäude

Energieeffizienzklasse des Hauses berechnen: So entsteht Ihr Wert

Energieeffizienzklasse des Hauses berechnen: So entsteht Ihr Wert | energiepass HANNOVER, Telefon 0152 060 777 67
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Ihre Energieeffizienzklasse entsteht aus einer einzigen Zahl: dem Endenergiebedarf in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Nach § 86 GEG wird dieser Wert einer Klasse von A+ bis H zugeordnet. Beim Bedarfsausweis wird er aus der Bausubstanz berechnet, beim Verbrauchsausweis aus Ihren Heizkosten. Überschlagen können Sie ihn selbst, verlässlich wird er erst im geprüften Ausweis.

Viele Eigentümer wollen vor der Bestellung wissen, wo ihr Haus ungefähr landet. Das ist verständlich, denn die Klasse beeinflusst den Verkaufspreis spürbar.

Als Immobilienexperte für Energieausweise erstelle ich seit 2018 Ausweise für Häuser in Hannover und dem Umland. Ich zeige Ihnen, wie die Klasse rechnerisch entsteht, wie Sie sie grob selbst einschätzen und warum die saubere Berechnung am Ende bares Geld wert ist.

Wie entsteht die Energieeffizienzklasse rechnerisch?

Aus dem Endenergiewert. Nach § 86 GEG in Verbindung mit Anlage 10 wird der Endenergiebedarf oder Endenergieverbrauch in kWh pro Quadratmeter und Jahr einer festen Klassenspanne zugeordnet. Unter 30 kWh ist A+, über 250 kWh ist H. Die Grenzen sind gesetzlich fixiert, es gibt keinen Ermessensspielraum bei der Zuordnung.

Der entscheidende Schritt passiert also vor der Klassifizierung: die Ermittlung des Endenergiewerts.

Beim Bedarfsausweis wird dieser Wert berechnet. Grundlage sind die Gebäudehülle mit Dämmung und Fenstern, die Geometrie und die Anlagentechnik mit Heizung und Warmwasser. Das Ergebnis ist der theoretische Bedarf, unabhängig von den Bewohnern.

Beim Verbrauchsausweis wird der Wert gemessen. Grundlage sind die Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre, klimabereinigt mit den Faktoren des Deutschen Wetterdienstes. Welche Klassen zu welchen kWh-Werten gehören, habe ich im Artikel Energieklassen A+ bis H verstehen vollständig aufgeschlüsselt.

Kann ich meine Energieklasse selbst überschlagen?

Ja, mit einer einfachen Faustformel. Teilen Sie Ihren Jahresverbrauch in Kilowattstunden durch die Gebäudenutzfläche. Diese schätzen Sie als Wohnfläche mal 1,35 beim Einfamilienhaus oder mal 1,2 beim Mehrfamilienhaus. Das Ergebnis in kWh pro Quadratmeter ordnen Sie dann grob einer Klasse zu.

Ein Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche verbraucht 20.000 kWh Gas pro Jahr.

  • Gebäudenutzfläche: 120 mal 1,35 gleich rund 162 Quadratmeter
  • Endenergie: 20.000 geteilt durch 162 gleich rund 123 kWh pro Quadratmeter und Jahr
  • Zuordnung: 123 kWh liegt in der Spanne über 100 bis 130, also Klasse D

So bekommen Sie ein Gefühl für die Größenordnung. Aber Vorsicht: Das ist eine grobe Näherung, kein rechtsgültiger Ausweis.

Ein Praxistipp: Für die Rechnung brauchen Sie den reinen Heizenergieverbrauch. Steht auf Ihrer Gasrechnung ein Kubikmeter-Wert, multiplizieren Sie ihn mit rund 10, um näherungsweise auf Kilowattstunden zu kommen. Warmwasser über die Gastherme ist dabei meist schon enthalten.

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Warum weicht mein Ausweis von der eigenen Rechnung ab?

Weil Ihre Faustformel mit Schätzwerten arbeitet. Sie nutzt den Verbrauch der aktuellen Bewohner und eine geschätzte Fläche. Der Bedarfsausweis rechnet dagegen mit der tatsächlichen Bausubstanz und standardisierten Annahmen. Beide Wege können für dasselbe Haus unterschiedliche Klassen ergeben, ohne dass einer falsch ist.

Der größte Unterschied ist das Nutzerverhalten. Wer nur zwei Räume beheizt, hat einen niedrigen Verbrauch, aber deshalb kein energetisch gutes Haus. Der Verbrauchsausweis und Ihre eigene Rechnung übernehmen diese Verzerrung, der Bedarfsausweis nicht.

Deshalb empfehle ich für den Verkauf klar den Bedarfsausweis. Er bewertet das Gebäude selbst und ist für Käufer ehrlicher und vergleichbarer. Welcher Ausweistyp für Ihr Haus der richtige ist, erkläre ich im Artikel Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis beim Einfamilienhaus.

Was bringt die Best-Case-Optimierung bei der Berechnung?

Sie holt die bestmögliche realistische Klasse heraus, ohne dass Sie sanieren müssen. Bei der Bedarfsberechnung gibt es zulässige Spielräume, etwa bei der Bewertung nachgewiesener Sanierungen und Bauteile. Ich prüfe diese Ansätze systematisch. In der Praxis macht das oft eine ganze Effizienzklasse aus.

Ein Beispiel aus meiner Arbeit in Hannover: Ein Reihenhaus aus den 60er-Jahren, dessen Eigentümer 2016 die Fenster und 2019 das Dach gedämmt hatte. Ohne saubere Dokumentation dieser Maßnahmen wäre das Haus eine Klasse schlechter eingestuft worden.

Zwei konkrete Tipps, damit Ihre Klasse nicht unter Wert verkauft wird:

Tipp 1: Alle Sanierungen mit Belegen sammeln. Rechnung, Datum, Bauteil. Jede nachgewiesene Maßnahme fließt in die Berechnung ein.

Tipp 2: Heizungsdaten bereithalten. Baujahr und Typ der Heizung beeinflussen die Anlagenbewertung stark. Ein moderner Brennwertkessel wirkt sich deutlich besser aus als ein alter Konstanttemperaturkessel.

Welche Rolle spielt die Heizung für Ihre Klasse?

Eine sehr große. Die Anlagentechnik geht direkt in den Endenergiewert ein. Ein moderner Gas-Brennwertkessel oder eine Wärmepumpe zieht Ihre Klasse nach oben, ein alter Konstanttemperaturkessel aus den 80er-Jahren zieht sie nach unten. Bei zwei baugleichen Häusern in Hannover kann allein die Heizung ein oder zwei Klassen Unterschied bedeuten.

Das erklärt, warum Nachbarhäuser mit gleichem Baujahr oft unterschiedlich eingestuft sind. Der eine Eigentümer hat 2021 auf eine Wärmepumpe umgestellt, der andere heizt noch mit dem 30 Jahre alten Kessel.

Auch die Art der Warmwasserbereitung wirkt sich aus. Zentrale Warmwasserbereitung über einen effizienten Kessel schneidet meist besser ab als dezentrale Durchlauferhitzer, die mit Strom arbeiten.

Für Ihre grobe Selbsteinschätzung heißt das: Berücksichtigen Sie das Alter und den Typ Ihrer Heizung. Ein gedämmtes Haus mit veralteter Heizung landet oft schlechter, als die reine Dämmqualität vermuten lässt.

Häufige Fehler bei der Selbsteinschätzung

Fehler 1: Wohnfläche mit Nutzfläche verwechseln. Die Klasse bezieht sich auf die Gebäudenutzfläche, nicht auf die reine Wohnfläche. Wer das ignoriert, rechnet sich einen zu schlechten Wert.

Fehler 2: Ein Extremjahr nehmen. Ein einzelner Rekordwinter oder ein Jahr mit Leerstand verzerrt den Verbrauch. Nutzen Sie den Durchschnitt aus drei Jahren.

Fehler 3: Die Näherung für die Anzeige verwenden. Ihre Faustformel ist zur Orientierung gut, aber nicht rechtsgültig. In der Immobilienanzeige muss der Wert aus einem registrierten Ausweis stehen (§ 87 GEG).

Fazit: Überschlagen können Sie selbst, verlässlich wird es im Ausweis

Die Energieeffizienzklasse entsteht aus dem Endenergiewert, den § 86 GEG in eine Klasse von A+ bis H übersetzt. Mit der Faustformel bekommen Sie eine grobe Orientierung. Der rechtsgültige, für den Verkauf optimierte Wert entsteht erst im geprüften Ausweis, beim Bedarfsausweis mit meiner Best-Case-Optimierung. Einen Gesamtüberblick bietet meine Seite zu Energieausweisen für Wohngebäude.

Hier können Sie Ihren Energieausweis direkt bestellen, Festpreis, persönliche Beratung und Lieferung in 24 Stunden inklusive.

Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
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